Der Pappnasen-Prozess

Am Freitag, den 7.10.2011 um 9.30 Uhr im Amtsgericht Dortmund steht ein Antirassist vor Gericht, weil er bei einer rassistischen Personenkontrolle durch vier Bundespolizisten eingeschritten ist. Die Kritik haben die Polizisten nicht ertragen wollen, und so verdrehen sie jetzt seine Worte so, dass sie ihm eine Beleidigung anhängen können. Dabei waren sie äusserst kreativ: „Pappnasen“, „Hampelmänner des Staates“ und „Rassisten“ wollen sie genannt sein. Als Belohnung für diese Kreativität wollen sie jetzt 600 Euro, welche aus dem nicht vorhandenen Geldbeutel des Aktivisten bezahlt werden sollen.

In ihrer Anzeigebegründung wird deutlich, inwiefern es sich um eine rassistische Personenkontrolle handelt: Sie sprechen dort von einer „Lagebildabhängigen“ Personenkontrolle, in anderen Worten „Schleierfahndung“. Das bedeutet, dass die Menschen, die kontrolliert wurden nicht bei einer Straftat beobachtet wurden, sondern einfach irgendwie „verdächtig“ waren. Und da die Bundespolizei hauptsächlich nach „grenzübergreifender Kriminalität“ oder „Illegalen“ sucht, liegen die Kriterien auf der Hand, welche eine Person „verdächtig“ machen: Hautfarbe, Haarfarbe, Gesichtsform, Kleidung, Sprache und alles andere, was auf einen möglichen Migrationshintergrund hinweisen könnte.
Derartiges Racial Profiling ist nicht nur wegen der Diskriminierung der Betroffenen fatal, sondern die Folgen gehen darüber hinaus. Wenn hauptsächlich People of Colour auf Drogenbesitz untersucht werden, werden auch hauptsächlich People of Colour dabei erwischt. Und das kommt in die Polizei-Statistik und diese nährt nicht nur die rassistische Hetze der Bild, sondern auch die Frankfurter Allgemeine, RTL, ARD, Spiegel und die ganzen anderen konservativen Massenmedien, und die Köpfe derer, die das nicht kritisch hinterfragen.

Wer mit offenen Augen durch die grösseren Bahnhöfe der BRD geht, wird schnell sehen: Rassistische Personalienkontrollen durch die Polizei sind in Deutschland Alltag.
Wenn wir uns dagegen wehren, kommt es nicht selten vor, dass wir kriminalisiert werden. Wie auch im Falle des Pappnasen-Prozesses am 7.10.2011 im Amtsgericht Dortmund. Dennoch ist es wichtig weiterhin einzuschreiten und den alltäglichen Rassismus zu thematisieren und anzugreifen.

Der Pappnasen-Prozesses soll offensiv gestaltet werden. Es soll offengelegt werden, dass nicht nur die Beschuldigung absurd ist, sondern auch die ganze Staatsjustiz, die behauptet im Namen des „Volkes“ zu sprechen und damit den Willen der Gesetzgeber_innen und deren Schergen meint. Die mittels Bedrohung und Bestrafung einen rassistischen Staat am Leben erhält, der einerseits die Lebensgrundlage vieler Menschen in anderen Regionen der Erde zerstört, und andererseits fleissig dabei ist, diese Menschen aus „seinem“ Gebiet abzuschieben und gegen sie zu hetzen, wenn sie ihren Wohnort verlassen müssen und hier zu leben versuchen.

Der Angeklagte wird versuchen, auf die erwartete Unterwürfigkeit nicht einzugehen und wünscht sich dies auch von den „Zuschauer_innen“, von denen jede_r gerne ihre_seine Rolle als Zuschauer_in verlassen und den Prozess aktiv mitgestalten kann. Die Kontrolle war rassistisch und das wird sie auch bleiben, egal was die Richterin auch davon hält, wenn ein Teil des Publikums mit Pappnasen zum Prozess erscheint. Oder Luftschlangen und Konfetti verteilt. Oder Laut anfängt zu lachen, zu singen und über die Tische zu tanzen. Oder 3 Tage vor dem Prozess anfängt, nur noch Bohnen und Sauerkraut zu essen und den Gerichtssaal in eine Wolke interessanter Düfte einhüllt.
Natürlich verurteilt der Angeklagte solch unanständiges Verhalten auf Schärfste, auch wenn er den Trick mit den Bohnen selbst ausführen wird. Aber kommt trotzdem alle zum Prozess und, ach ja, macht was ihr wollt! Der freiheitsberaubenden, gefühlstoten, scheinobjektiven Justiz stellen wir unsere Lebensfreude, unsere Liebe zur Freiheit und unseren Widerstand entgegen.

Wenn du dir vorstellen kannst, den Angeklagten im Vorfeld zu unterstützen, schreib einfach an pappnase@riseup.net